Erfahrungen in der Selbstständigkeit: Was ich in den ersten 6 Jahren der Selbstständigkeit gelernt habe

Vor 5 Jahren habe ich nach dem ersten Jahr meiner Selbstständigkeit hier zum ersten Mal zusammengefasst, was ich gelernt habe. Auch ein halbes Jahrzehnt danach sind alle Dinge, die ich damals geschrieben habe, noch immer gültig für mich. Doch in Zwischenzeit sind noch einige neue Erkenntnisse dazugekommen, die ich hier nun mit euch teilen will.

Es wird gemütlicher (wenn man will)

Die ersten Jahre in der Selbstständigkeit waren die arbeitsintensivsten, da ich viel Zeit investieren musste, um mein Unternehmen aufzubauen und einen soliden Kundenstamm zu generieren. Sobald dieser Kundenstamm aufgebaut war, wurde jedoch vieles schlichtweg angenehmer. Die solide Kundenbasis gab mir ein recht stabiles Einkommen und der Stress zu Wachsen war erst einmal weg. Gleichzeitig bedeutete dies auch mehr zeitliche Freiheit, die ich mir mit dem Schritt in die Selbstständigkeit erhofft hatte.

Die zeitliche Freiheit habe ich dann genutzt, um neue Projekte hochzuziehen, bei denen der Spaßfaktor im Vordergrund steht. Auch bei der Auswahl der Kunden und Projekte bin ich seither sehr selektiv geworden.

Weiterempfehlungen sind der beste Geschäftsbringer

Im Agenturgeschäft ist bezahlte Werbung, welche die Zielgruppe genau erreicht mittlerweile richtig teuer. Bei Google kostet EIN Klick mittlerweile oft mehr als 10 €. Dass man damit lukrativ Geschäft für eine Agentur generieren kann, stelle ich in Frage.

In der Anfangsphase einer Gründung wird man an der Kaltakquise nicht ganz vorbeikommen, da man ja noch komplett unbekannt am Markt ist. Kaltakquise bedeutet aber nicht in erster Linie, dass man Türklinken putzen geht oder tagelang fremde Leute anruft. Es bedeutet generell Leute auf die gegründete Firma aufmerksam machen. Dies kann mit bezahlter Werbung, publizierten Artikeln oder auch das Teilnehmen an Ausschreibungen sein. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Wichtig ist aber auch im Netz von der Zielgruppe gefunden zu werden. Deshalb sollte Suchmaschinenoptimierung ganz am Anfang einer Gründung hoch auf der Agenda stehen.

Sind die ersten Kunden akquiriert, dann kommt jedoch der allerwichtigste Akquise-Kanal zum Einsatz: Weiterempfehlungen. Zufriedene Kunden geben den Namen deines Unternehmens weiter und daraus ergibt sich günstig Neugeschäft. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein durch Weiterempfehlung generierter Kontakt zum Kunden wird, ist grundsätzlich sehr hoch. Du hast einen enormen Vertrauensvorsprung, der oft dazu führt, dass die potenziellen Kunden sich keine anderen Angebote anschauen.

Damit die Sache mit den Weiterempfehlungen funktioniert, ist es natürlich wichtig stets gute Arbeit zu leisten.

Aufwände messen

Am Anfang meiner Selbstständigkeit habe ich oft Projekte hinsichtlich des Aufwands komplett falsch eingeschätzt. Ich lag teilweise so massiv daneben, dass eine Reinigungskraft einen besseren Stundenlohn hatte als ich. Deshalb habe ich irgendwann damit begonnen meine Aufwände mit einem Tracker zu messen. (Persönlich verwende ich Toggl) Am Ende eines Projektes evaluiere ich dann mit ein paar Klicks, wie lange ich für was gebraucht habe.

Meine Kalkulationen sind so mit der Zeit immer genauer geworden und heute erreiche ich die Wirtschaftlichkeit mit meinem Geschäft die ich mir wünsche.

Die Evaluierung hat mir aber auch geholfen einzuschätzen, welche Kunden unrentabel sind. Womit wir zum nächsten Punkt kommen.

Sortiere Kunden aus

Im ersten Jahr als Selbstständiger habe ich durch die Akquise schrittweise meine Kunden gewonnen. Dabei war mein Hauptziel genügend Geschäft aufzubauen, damit ich als Selbstständiger über die Runden komme. Irgendwann war der Punkt dann erreicht, an dem ich stark ausgelastet war. Neue Kunden anzunehmen wurde schwieriger und schwieriger, da ich einfach nicht die notwendige Zeit hatte.

Gleichzeitig gab es aber Kunden, bei denen mir die Zusammenarbeit schlichtweg keinen Spaß mehr gemacht hatte oder welche sehr viel Aufwand für verhältnismäßig wenig Einkommen verursacht hatten. Unter dem Strich haben diese Kunden mir die Zeit genommen, die notwendig gewesen wäre damit ich neue interessantere Projekte hätte annehmen können.

Aus diesem Grund habe ich mich nach etwa 2 Jahren entschieden, die Zusammenarbeit mit einigen Kunden zu beenden. Dies hat zum einen dazu geführt, dass ich wieder mehr Zeit hatte, um neue Projekte anzunehmen. Zum anderen machte mir die Arbeit auch wieder mehr Spaß, da die betroffenen Kunden mir oft die Motivation und Energie geraubt haben.

Seither evaluiere ich jedes Jahr meine Kunden und beende die Zusammenarbeit, wenn Sie nicht mehr passt.

Neugeschäft ablehnen

Nicht nur das Aussortieren von bestehenden Kunden ist wichtig für mich, sondern auch das Ablehnen von Neugeschäft. In der Vergangenheit hat sich ausnahmelos gezeigt, dass die Projekte, bei denen ich schon ein schlechtes Bauchgefühl bei der Anfrage hatten, auch die finale Arbeit nur mühsam war und mich nur wertvolle Zeit und Energie gekostet hat.

Es ist mir bewusst, dass man am Anfang der Selbstständigkeit natürlich nicht jedes Projekt ablehnen kann. Sonst würde ich auch jetzt nicht hiersitzen und diesen Artikel schreiben. Doch sobald das Geschäft mal läuft, sollte man nicht mehr leichtfertig mit dem Akzeptieren von neuen Kunden und Projekten sein. Meine Devise ist: Was keinen Bock macht, wird nicht angenommen. Denn immerhin ist es letztendlich meine wertvolle und vor allem begrenzte Lebenszeit, die ich in meine Arbeit investiere.

Angestellte sind ein Risiko

In den letzten Jahren habe ich viele andere Gründer kennengelernt. Viele waren erfolgreich, andere sind gescheitert oder sind laufend in Turbulenzen. Hinter dem Scheitern lag oft ein Faktor: angestellte Mitarbeiter. Leider wurde von vielen das finanzielle Risiko unterschätzt, das angestellte Mitarbeiter mit sich bringen. Angestellte machen dann Sinn, wenn man bereits auf einer soliden finanziellen Basis steht. Alles andere ist mehr als gefährlich und kann den Traum der Selbstständigkeit schnell zunichtemachen.

Ich persönlich habe bislang immer nur mit externen Freelancern zusammengearbeitet. So umgehe ich das finanzielle Risiko einer Festanstellung und kann bei Bedarf auf wirklich exzellente Leute zugreifen. Viele andere erfolgreiche Unternehmer, die ich kenne, nutzen die gleiche Strategie seit vielen Jahren. Hier findest du auch einen Artikel den ich mal zu diesem Thema geschrieben habe.

Rücklagen bilden ist wichtig

Nicht zuletzt die Corona -Krise hat gezeigt, wie schnell sich alles Dagewesene ändern kann. Um als Unternehmer für schwierige Zeiten gerüstet zu sein, in denen es mal nicht so rund läuft sind Rücklagen wichtig. Sind diese nicht vorhanden, wird es schnell ungemütlich. Deshalb habe ich von Anfang an jedes Jahr Geld zur Seite geschafft und einen Puffer aufgebaut.

Dieser Puffer hat nicht nur den Vorteil, dass man Krisen ausstehen kann, sondern gibt einem auch Flexibilität. Macht das bestehende Business mal keinen Spaß mehr, so kann ein finanzieller Puffer die Freiheit finanzieren etwas Neues zu starten.

Entwickle dein Geschäftsfeld ständig weiter

Die Welt um uns herum verändert sich laufend. Um langfristig erfolgreich zu bleiben ist es deshalb wichtig mit den Veränderungen Schritt zu halten, da man sonst Gefahr läuft irgendwann nicht mehr gefragt zu sein. In den Jahren meiner Selbstständigkeit habe ich viele Unternehmen getroffen, die dies nicht gemacht haben und deshalb irgendwann in Turbulenzen geraten sind. Viele haben die Digitalisierung verschlafen, andere haben eine Außenauftritt gehabt der irgendwo in den 90er Jahren erstellt wurde.

Wichtig ist deshalb, dass man sich regelmäßig mit der Frage auseinandersetzt was man besser man kann, was es Neues gibt und was davon für das eigene Unternehmen relevant ist.

Auch die kommenden Jahre werden sicherlich weiterhin interessant bleiben. Wer weiß, welche Weisheiten ich nach 10 Jahren zum Besten geben kann und ob ich noch allem zustimme, das ich jetzt geschrieben habe. Wir werden sehen.

Zum Weiterlesen

13 Erkenntnisse aus meinem ersten Jahr als Unternehmer

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Christian Wagner
Christian Wagner
Founder RiskPlayWin | Owner & Founder of the digital marketing agencies morethandigital.com & PEAKFOCUS.agency