Roald Dahl, Autor von klassischen Kinderbüchern wie „Sophiechen und der Riese“ und „Charlie und die Schokoladenfabrik“ ist am 13. September vor 100 Jahren auf die Welt gekommen. Seine Bücher haben die Vorstellungskraft von Millionen von Kindern entfesselt und ihnen die Lizenz gegeben, erfinderisch zu sein. Auch Unternehmer können von seiner funkelnden Kreativität viel lernen.

Ich liebte Roald Dahls Bücher als Kind. Matilda, Das Wundermittel, Hexen Hexen…stundenlang konnte ich in die wilde Welt seiner Geschichten eintauchen. Schräge Figuren wie Frau Knüppelkuh, Willy Wonka und die Hoch- und Großmeisterhexe faszinierten mich, machten mir Angst, ekelten mich an. In dieser Welt war schließlich alles möglich – Gut und Böse, banal und fantastisch, unbeschreibliche Schönheit und bodenloser Hass. Er wusste genau wie Kinder ticken – und wir ließen uns von ihm auf ein Abenteuer nach den anderen entführen.

In dieser Welt gibt es sowas wie Magie – wenn man danach schaut

Seine Botschaft: es gibt tatsächlich so was wie Magie in dieser Welt – man muss nur danach suchen. Doch, um fündig zu werden, muss man die Welt mit anderen Augen anschauen. Nach dieser „Lehre“ wurden ganz normale Sachen wie Pfirsiche zu wundervollen Objekten, die plötzlich vor neuen Möglichkeiten und Anwendungen sprudelten. Was davor alltäglich und langweilig war, wirkte plötzlich aufregend und interessant.

Dahl lebte diese Einstellung auch konsequent in seinem Privatleben aus. Seine zweite Ehefrau Felicity („Liccy“) erinnerte sich daran, wie er etwa die Frühstückmilch rosarot färbte, oder Gelee mit Hunderttausenden versetzte, sodass es schimmerte – und machte so einen ganz normalen Tag zu etwas Besonderem. Es freute ihn, die Menschen in ihrem sonst so tristen Alltag zum Lächeln zu bringen.

Beiträge zum medizinischen Fortschritt

Diese Vorstellungskraft wendete Dahl nicht nur bei solchen kleinen Belustigungen an, sondern auch zu medizinischen Zwecken. Als sein Sohn Theo als Baby bei einem Verkehrsunfall schwere Kopfverletzungen erlitt, erfand er gemeinsam mit anderen Ärzten ein Ventil, um Flüssigkeit aus dem Gehirn besser abfließen zu lassen („Wade-Dahl-Till Ventil“). Das reduzierte den Druck im Kopf des Verletzten und half, eine Hirnschädigung vorzubeugen. Theo erholte sich vollkommen; das Ventil blieb noch jahrelang in Verwendung und rettete das Leben von Tausenden von Kindern.

Das war nicht Dahls einziger Beitrag zum Medizin. Er kämpfte auch für die Akzeptanz einer neuen Impfung gegen Masern, die bei ihrer Einführung in Großbritannien in den 1980-ern auf viel Skepsis traf. Dahls älteste Tochter, Olivia, starb an der Krankheit in 1962 – noch Jahre bevor eine Impfung verfügbar war. Das Trauma Ihres Todes plagte ihn jahrzehntelang. In einem offenen Brief aus dem Jahr 1988 beschrieb er Olivias Krankheit und Tod und appellierte an Eltern, ihre Kindern gegen Masern impfen zu lassen. Heute gehört diese Impfung zum Programm für alle Kinder in Großbritannien.

Frei im Kopf sein für unternehmerischen Erfolg

Was das alles bedeutet für die Unternehmer von heute? Mehr als man denkt. Die mentale Flexibilität, die Dahl Sachen dauernd neu interpretieren und umfunktionieren ließ, ist eine zutiefst unternehmerische Qualität. Schließlich kommen viele neuen Geschäftsideen davon, etwas, was bereits besteht, einfach anders anzuwenden. So kamen ja viele Produkte auf den Markt, die nicht mehr aus unseren Leben wegzudenken sind.

Die Mundspülung Listerine, zum Beispiel. Sie wurde ursprünglich als Bodenreiniger konzipiert, bevor ihre Nutzung als Mundhygieneprodukt in Frage kam. Ebenso war Coca-Cola, berühmtestes Erfrischungsgetränk der Gegenwart, am Anfang kein Softdrink für zwischendurch, sondern wurde als Mittel gegen Morphinsucht und Kopfschmerzen vermarktet. Aus diesen Umfunktionierungen sind riesige Konzerne mit Umsätzen in Milliardenhöhe hervorgegangen.

Und das alles nur, weil jemand frei genug im Kopf war, einen mentalen Sprung zu machen und die Grenzen der akzeptierten Weisheiten zu überschreiten. Genauso wie Roald Dahl damals in seiner kleinen Gartenhütte, von der aus er die Welt der Kinderliteratur änderte.

Foto: BIMS Sabadela

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