Nach fast 15 Jahren Top-Beratertätigkeit in einem internationalen Beratungsunternehmen entschied ich mich 2010, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Warum? An sich gab es keinen triftigen Grund, denn schließlich stimmten sowohl  das Geld als auch das Ansehen: Ich war sehr stark international tätig, lernte zahlreiche interessante Persönlichkeiten kennen und gab regelmäßig gut besuchte Vorträge sowie Keynote Speeches auf verschiedenen Kontinenten ganz abgesehen von meinen wöchentlichen Kolumnen in den Wirtschaftsteilen der Financial Times und im Handelsblatt. Warum also auf die überdurchschnittlichen Arbeitsbedingungen in einem Beratungsgroßunternehmen verzichten und sich stattdessen für die Selbstständigkeit mit ungewisser Zukunft entscheiden?

In der Tat gab es einige bedeutende Gründe, die gegen das Großunternehmen sprachen: Einer davon waren neben einer unglaublich hohen Reisetätigkeit von über 200 Tagen im Jahr die langen Entscheidungs­wege zusammen mit systemimmanenten Politiken und dem Gefühl, sich trotz aller luxuriösen Attribute doch nur wie ein Hamster im Laufrad abzustrampeln.

„Die ersten Schritte in die Selbstständigkeit begannen mit lediglich einer Handvoll Klienten, ohne Personal und mit vielen guten Ideen, die zu diesem Zeitpunkt jedoch noch fernab der Realisierbarkeit lagen.“

Die ersten Schritte in die Selbstständigkeit begannen mit lediglich einer Handvoll Klienten, ohne Personal und mit vielen guten Ideen, die zu diesem Zeitpunkt jedoch noch fernab der Realisierbarkeit lagen. Erschwerend kam hinzu, dass sich die Weltwirtschaft und vor allem auch die Industrie im deutschsprachigen Raum im Jahre 2010 in einer Krise mit geringen bis keinen Zuwächsen befanden und sich dies, wie die Erfahrung zeigt, immer auch auf die Beratungsbranche niederschlägt. Doch ich war fest entschlossen, meinen neuen Weg zu gehen, auch wenn ich dafür überdurchschnittliche Bemühungen an den Tag legen müsste.

Doch die Mühe hat sich gelohnt: Über die letzten sechseinhalb Jahre haben wir uns zu einem erfolgreichen internationalen Beratungsunternehmen mit vielen zufriedenen Klienten entwickelt. Zunächst arbeitete ich mit einer, dann mit zwei und schließlich zunehmend mehr Kolleginnen und Kollegen zusammen, allesamt mehrsprachig und international. Einige verfügten auch über einen profunden Beratungshintergrund. Wir hatten neue Konzepte für mittelständische Produktionsunternehmen und deren Organisation im Visier. Wir konnten schneller reagieren und gingen direkt auf Fragen der Internationalisierung, wie etwa Schnittstellen, Personalsuche und -fluktuation, Vergütung, Vertriebspartnersuche sowie viele andere Themen des Klienten ein. Unser Ansatz war es, Probleme und Komplexitäten beziehungsweise immanente und unentdeckte Widersprüche in der Organisation des Klienten zu lösen. Und die gab es zuhauf.

Wir vermarkteten unseren Ansatz nach dem Prinzip „Wir besitzen durch unsere Zeit bei einer großen Unternehmensberatung die Erfahrung eines Ozeandampfers. Aufgrund unseres kleinen Teams haben wir aber gleichzeitig die Wendigkeit und Schnelligkeit eines Schnellboots.“ Wir erfuhren ein überdurchschnittliches Wachstum bei gleichzeitig starker Klientenakquisition. Das einzige Risiko bestand darin, diese wachsende Struktur nicht mit zu viel Hierarchie und andere Maläsen eines Großunternehmens zu belasten – das ist uns glücklicherweise bisher gelungen. Was hat sich im Vergleich zu den Aktivitäten in einer internationalen Beratungsgesellschaft darüber hinaus geändert? Wir haben eine weitaus tiefere und engere Klientenbeziehung, viel mehr Freiheit und, nicht zu vergessen, eine persönliche Freiheit, die Raum für mehr Kreativität bietet. Letztere wirkt sich wiederum positiv auf unsere Aktivitäten und – nicht zu vergessen – unsere Klienten aus.

„Vor allem bereue ich, nicht viel früher den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt zu haben!“

Wenn ich heute gefragt werde, ob ich meinen Schritt in die Selbstständigkeit bereue, antworte ich mit einem klaren „Ja!“. Wenn ich dann in das verdutzte Gesicht meines Gegenübers blicke, erläutere ich meine Antwort wie folgt: „Ich bereue es in der Tat. Vor allem bereue ich, nicht viel früher den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt zu haben!“ Wenn sich dann das Fragezeichen im Gesicht meines Gegenübers zu einem Lachen wandelt, zeigt es mir, dass er mich verstanden hat.

Meine Tipps an Sie:

  • Seien Sie sich Ihrer Fähigkeiten bewusst und fürchten Sie sich nicht. Erfolg entsteht in Ihrem Kopf.
  • Ohne Fleiß kein Preis: Haben Sie ein großes Ziel vor Augen.
  • Wer nicht wagt, der nicht gewinnt: Meine ersten Schritte in die Selbstständigkeit begannen mit lediglich einer Handvoll Klienten, ohne Personal und mit vielen Ideen, fernab der Realisierung. Trotzdem: der Sprung ins kalte Wasser war es wert, denn jeder muss irgendwann einmal anfangen.

 

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