Früher waren Emotionen im Business unerwünscht. Bei Geschäftsentscheidungen galt die kühle Vernunft als einziger zulässiger Bestimmungsfaktor. Doch heutzutage gehören Emotionen, und die Fähigkeit, sie in anderen hervorzurufen, zum unternehmerischen Erfolgskonzept. Warum man die Gefühle im Business öfter mal nach außen zeigen sollte erzähle ich im heutigen Beitrag. 

Wer kennt das nicht – ein Vorstellungsgespräch steht an für einen Job, den man wirklich gerne hätte. Oder eine Präsentation vor fünfzig Menschen. Die Hände schwitzen, es wird einem übel – was, wenn ich vor lauter Nerven kein Wort mehr rauskriege? Oder meine Stimme zittert? Man schimpft mit sich selbst: wenn ich nur meine Gefühle beherrschen könnte!

Ein ganz normaler Teil des Lebens

Dabei sind Emotionen ein ganz normaler Teil des Lebens – und somit auch des Geschäftslebens. Doch es wurde uns immer eingetrichtert, dass Emotionen im Job unwillkommen sind. Kollegen, die ihre Gefühle nach außen gezeigt haben – Freude, Ärger, Begeisterung – wurden bald als unprofessionell abgestempelt („warum plärrt sie denn schon wieder?“). Kühle Kompetenz galt als Business-Tugend.

Eine ruhige Art mag ja vorteilhaft sein, wenn es um komplexe Verhandlungen geht, oder die Bewältigung einer Unternehmenskrise. Doch im Business muss man auch Menschen bewegen können – und da spielen Gefühle eine große Rolle. Stellen Sie sich vor, zwei Verkäufer stehen vor Ihnen und stellen Ihnen ihre Produkte vor. Der eine ist kühl und berechnend – beschreibt ohne Aufregung die Vorteile des Produktes vor, beantwortet Ihre Fragen sachlich. Er hat zwar offensichtlich tiefe Kenntnisse über das Produkt sowie seinen Fachbereich – er lächelt aber kaum und bewegt sich auch nicht sonst beim Reden.

Der zweite Verkäufer ist eine ganz andere Geschichte. Er sprudelt vor Aufregung – sichtlich begeistert von dem was er tut und von seinem Produkt. Beim Reden gestikuliert er viel; seine Gesichtsausdrücke sind offen und lebhaft. Vielleicht macht er ein paar kleine Witze zwischendurch. Man kann sich der Show irgendwie nicht entziehen. Wer ist nicht von dieser Leidenschaft angetan? Der zweite Verkäufer hat Ihre Emotionen – und somit Ihr Interesse – erweckt.

Menschen bewegen können führt zum Erfolg

Emotionen sind im Business wichtig, weil sie menschlich sind. Und Menschen – egal ob sie Kunden oder Mitarbeiter sind – sind das Fundament eines jeden Unternehmens. Erfolgreiche Unternehmen wissen, dass sie Kunden an ihnen mit Gefühlen binden können und richten Ihre Marketing- sowie Social-Media-Aktivitäten ausdrücklich danach aus. Hat ein Unternehmen eine Persönlichkeit, kann man sich mit ihm als Kunde leichter anfreunden. Mehr Kunden bedeutet mehr verkaufte Produkte und mehr Gewinn.

Auch in der Führung spielen Emotionen eine enorm große Rolle. Eine gute Führungskraft ist fachlich kompetent, bleibt ruhig auch in stressigen Zeiten – muss aber seine Mitarbeiter auch inspirieren und somit das Beste aus ihnen holen. Sympathie und Vertrauen: eine Führungskraft muss beides bei seinen Mitarbeitern gewinnen und behalten – sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten. Das erreicht der Chef in dem er sich menschlich zeigt und auf seine Mitarbeiter als Personen eingeht.

Alles in Maßen

Wie bei vielen anderen Dingen im Leben gilt bei dem Einsatz von Emotionen im Business: alles in Maßen. Einen Vortrag mit Schwung und Überzeugung abzuziehen macht Sinn: dauernd sein Innerstes nach außen zu zeigen wird Ihre Mitmenschen eher überfordern. Herz für Mitarbeiter und deren Anliegen an der Arbeit zu zeigen schafft Vertrauen: mit ihnen über Persönliches zu reden ist unprofessionell.

Die richtige Bilanz zu finden ist Übungssache und wird sich von Person zu Person und von Situation zu Situation ändern. Mit der Zeit können Sie das richtige Fingerspitzengefühl entwickeln dafür, wann und wie viel Emotion Sie einsetzen können. Wichtig ist, authentisch zu bleiben und vor allem – sich zu trauen!

Foto: Marlon Dias

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