Man spürt immer wieder eine gewisse Gespanntheit, wenn man ein Buch aufschlägt, das als “Management-Klassiker” gilt. „First Break All the Rules“ taucht immer wieder in den Listen der besten Management Bücher aller Zeiten auf – und das aus gutem Grund. Aufbauend auf die Ergebnisse zweier Langzeitstudien, bietet das Buch überzeugende wissenschaftliche Argumente, warum manche Manager erfolgreicher sind als andere – und schafft es, stets realistisch zu bleiben.

Warum sind manche Manager besser als andere? Was bedeutet es überhaupt, als Manager erfolgreich zu sein? Kann man das überhaupt messen? Kann man die Eigenschaften der besten Manager emulieren, um selbst eine bessere Führungskraft zu werden? Das sind knifflige Fragen, die die klügsten Köpfe in Managementwissenschaft seit Jahren beschäftigen. Mit diesem Buch setzen sich Marcus Buckingham und Curt Coffmann das ehrgeizige Ziel, sie zu beantworten.

Zwei Langzeitstudien als Basis

Als Basis für das Buch dienen zwei Studien des US-amerikanischen Meinungs- und Marktforschungsinstitutes Gallup, die über einen Zeitraum von 25 Jahren durchgeführt wurden. Die erste Studie fragte über eine Million Arbeitnehmer bei unterschiedlichen Unternehmen: „was brauchen die talentiertesten Arbeitnehmer, um bei ihrem Arbeitgeber zu bleiben?“ Die eindeutige Antwort: gute Manager. Das alte Klischee, dass Arbeitnehmer nicht den Job kündigen, sondern ihren Vorgesetzten, stimmt.

Dieser Befund führte wiederum zur zweiten Studie. Diese beschäftigte sich mit der Frage, was genau jene Führungskräfte, die die besten Ergebnisse erzielten (z.B. Verkaufszahlen, Kundenzufriedenheit, niedrige Mitarbeiterfluktuation), anders tun. Was macht sie zu exzellenten Vorgesetzten, die die talentiertesten Mitarbeiter anziehen und behalten können? Wie unterschieden sie sich von den durchschnittlichen, gar schwachen Managers?

Auf die Regeln pfeifen

Die Studie zeigte deutlich: die allerbesten Manager scheren sich kein bisschen um die gängigen Meinungen dazu, was Führungskräfte tun und lassen sollten. Sie werfen das alles förmlich über den Haufen. Sie denken nicht, dass jeder alles machen kann, wenn er nur hart an sich arbeitet. Sie glauben auch nicht, dass sie jeden Mitarbeiter zurechtbiegen können, sodass er glücklich im Job wird und Spitzenleistungen erbringt.

Noch mehr: gute Manager fixieren nicht auf die Schwäche ihrer Mitarbeiter oder darauf, wie sie diese ausgleichen können. Vielmehr gehen sie auf ihre Mitarbeiter als Individuen ein, und schauen, was diese Menschen von ihrer Natur aus am besten können. Diese „Talente“ – so die Argumentation – werden sehr früh im Leben einer Person festgelegt und ändern sich danach nur wenig. Starke Manager versuchen, die Talente ihrer Leute noch besser auszubilden und sie gewinnbringend in deren berufliche Tätigkeit einzubringen. Mit anderen Worten: den besten Managern gelingt es, die natürlichen Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter in Leistung umzumünzen.

Logische Schlussfolgerungen mit Realitätssinn

Die größte Stärke von „First Break All the Rules“ ist die Klarheit, mit der die Methodologie der Studien sowie die daraus geleiteten Argumente formuliert werden. Etwas so Unberechenbares und von Emotionen geprägt als menschliches Verhalten wissenschaftlich zu analysieren und auszuwerten ist ein ehrgeiziges Unterfangen – und es ist hier gut gelungen. Die Ergebnisse sind hoch interessant – und präsentiert in einer Sprache und Form, die für den Leser verständlich und überzeugend ist.

Gleichzeitig verliert First Break All the Rules nie seinen Bezug zur Realität. Die Autoren sind sich stets bewusst, dass es sich bei ihren Arbeiten im Grunde um eine wissenschaftliche Theorie handelt. Sie leiten ihre Schlussfolgerungen logisch ab – nehmen aber ausdrücklich zur Kenntnis, dass diese Schlussfolgerungen nicht immer in der Praxis (vollumfänglich) umsetzbar oder realistisch sind. Das erdet das Buch und wird jenen Unternehmern gefallen, die schon in Sachen Management „kampferprobt“ sind.

Fazit

„First Break All the Rules“ ist ein Buch voller interessanter, wissenschaftlich untermauerter Denkansätze für Unternehmer, die Menschen führen – aber auch für Einzelunternehmer und HR-Profis.

Die Theorien, die das Buch präsentiert sind schlüssig argumentiert und überzeugend; bieten aber gleichzeitig viel Stoff für Diskussion und Streitgespräche – wie wir bei RiskPlayWin selbst entdeckt haben! Ob man die Definition von „Talenten“ doch ändern bzw. erweitern kann? Ist es wirklich unmöglich, jemandem ein „Talent“ in diesem Sinne beizubringen? Sollten Managers wirklich so empathisch sein, oder sind sie lediglich Authoritätsfiguren, denen die Mitarbeiter unter allen Umständen zu gehorchen haben?

Die Fragen, die „First Break All the Rules“ aufwirft, sind endlos. Doch ist das nicht das Zeichen eines guten Buches? Dass es Sachen, die wir als Wahrheit akzeptieren in Frage stellt, Diskussionen auslöst – und so zum weiteren Fortschritt beiträgt?

Sonstige Informationen zum Buch

Hinweis: derzeit nicht auf Deutsch erhältlich

Name: First, Break All the Rules – What the World’s Greatest Managers Do Differently

Preis: EUR 8,99 Taschenbuch (Bei Amazon.de kaufen)

Autor: Marcus Buckingham, Curt Coffmann

Verlag: Simon & Schuster UK (2015)

Taschenbuch (auf Englisch): 301 Seiten

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