Für viele die nie zuvor in der Selbstständigkeit waren, ist die Berechnung des konkreten Stundensatzes oft eine große Herausforderung.

Hier ein kleiner vereinfachter Wegweiser wie Sie sich Ihren Stundensatz kalkulieren können

1. Welches Brutto-Einkommen benötigen Sie?

Damit Sie auf das gleiche Netto wie als Angestellter kommen, müssen Sie als Selbstständiger ein höheres Brutto haben. Der Grund ist, dass Sie in Deutschland und Österreich auch den Arbeitgeber-Anteil an der Sozial- und Krankenversicherung zahlen müssen. Zudem müssen Sie genau wie im Angestelltenverhältnis auch Steuern zahlen. Informieren Sie sich also am besten im Vorfeld, welches Brutto-Einkommen Sie brauchen, um Ihr Netto-Einkommensziel zu erreichen.

2. Wie viele Wochen können Sie im Jahr arbeiten?

Auch als Selbstständiger werden Sie mal krank oder wollen in den Urlaub fahren. Zudem gibt es Feiertage. Rechnen Sie sich aus wie viele Tage im Jahr Sie arbeiten können.

Eine Rechnung könnte beispielsweise wie folgt ausschauen:

Arbeitstage exklusive Feiertage: 250 Tage
minus Urlaub: 25 Tage
minus Krankheitstage: 5 Tage

= 220 Arbeitstage pro Jahr
Arbeitswochen pro Jahr: 220 / 5 = 44

3. Wie viele Stunden können Sie letztendlich verkaufen?

Eine reguläre Arbeitswoche als Selbstständiger ist sehr vielfältig. Sie müssen sich um Marketing, Finanzen und Anfragen kümmern, E-Mails beantworten und viele andere Dinge erledigen. Letztendlich können Sie daher nur eine begrenzte Anzahl an Stunden an Ihre Kunden verkaufen. Je nachdem wie viel Sie pro Woche/Monat arbeiten wollen, sind dies mal mehr oder mal weniger Stunden.

Rechnen Sie sich aus, wie viele verrechenbare Stunden Sie pro Woche aufbringen können. Eine Beispielrechnung könnte wie folgt ausschauen:

Arbeitsstunden pro Woche: 45
– Aufwand für Neukundengewinnung: 8 Stunden
– Beantwortung von E-Mails/Anfragen: 6 Stunden
– Externe Veranstaltungen/Meetings: 6 Stunden
– Finanzen & Rechnungen: 1 Stunde
– Planung: 3 Stunden
= Verrechenbare Stunden pro Woche: 21

4. Welche sonstigen Kosten fallen an?

Neben Ihren Lebenskosten haben Sie auch betriebliche Ausgaben. Auch diese müssen Sie in den Stundensatz einfließen lassen. Diese können beispielsweise Kosten für Büromiete, Strom, Heizung, Werbung, Versicherungen, Kammerbeiträge, Software, Büromaterial sein.

Rechnen Sie sich hierfür das jährliche Budget aus. Das kann beispielsweise so ausschauen:

Büromiete, Strom, Heizung: 6.000 €
Softwarelizenzen, Webseite: 400 €
Buchhaltung & Steuerberatung: 2.000 €
Werbung & Neukundengewinnung: 4.000 €
Büromaterial: 200 €
Kammerabgabe: 100 €
Total: 12.700 €

5. Wie sieht nun der Stundensatz aus?

Den konkreten Stundensatz können Sie dann in einem finalen Schritt wie folgt errechnen:

Gewünschtes persönliches Bruttoeinkommen: 60.000 € (siehe Punkt 1)
Sonstige Kosten: 12.700 € (siehe Punkt 4)
Umsatz gesamt benötigt: 72.700 €

Verrechenbare Stunden pro Woche: 21 (siehe Punkt 3)
x Arbeitswochen pro Jahr: 44 (Siehe Punkt 2)
Verrechenbare Arbeitsstunden pro Jahr: 924
Stundensatz: Benötigter Umsatz pro Jahr / Verrechenbare Arbeitsstunden pro Jahr
Benötigter Stundensatz: 72.700 € / 924 = 78,74 €

 

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