Mein erstes Jahr als Unternehmer liegt nun einige Monate hinter mir. Zeit, um ein Fazit zu ziehen und meine 13 wichtigsten Erkenntnisse zusammenzufassen.
Unternehmertum ist keine Raketenwissenschaft
Nach außen hin wirkt es oft so, als wäre Gründung und Aufbau eines Unternehmens hochkomplex. Ehrlich gesagt ist es aber keine Raketenwissenschaft. Ein gesunder Menschenverstand ist meiner Ansicht nach die Hauptzutat für einen erfolgreichen Start.
Es kommt anders als man denkt
Egal wie lange man sich auf eine Unternehmensgründung vorbereitet. Eins ist so sicher wie das Amen im Gebet: Es kommt anders als man denkt. Viele Pläne und Ideen entstehen aus Annahmen über sein Geschäftsfeld. Diese ruhen aber meist auf recht dünnem Eis. Doch auch wenn die Faktenbasis umfangreicher ist, bleibt eine Unternehmensgründung eine unvorhersehbare Sache. Es gibt einfach zu viele Faktoren, die Einfluss haben und die man zu Beginn nicht kennen oder vorhersehen kann.
Beobachten ist eine der wichtigsten Aufgaben eines Unternehmers
Meiner Meinung nach ist daher das Beobachten eine der wichtigsten Aufgaben eines Gründers. Nur durch kontinuierliches Beobachten und Analysieren kann man erkennen, was funktioniert und was nicht, und entsprechend dazulernen.
Es ist wichtig flexibel zu bleiben
Mangelnde Flexibilität ist Gift für Unternehmertum, denn man verspielt dadurch wichtige Chancen und blockiert eventuell zentrale Planänderungen. Deshalb ist es meiner Meinung nach wichtig, am Anfang ein grobes Ziel vor Augen zu haben und sich vorzustellen, wie man es erreicht. Ein detaillierter Businessplan, der sämtliche Aktivitäten bis ins kleinste Detail pro Monat festlegt, wirkt hier eher kontraproduktiv, da er mehr blockiert als hilft. Deshalb sehe ich das Unternehmertum eher als Spiel, bei dem man ein klares Ziel vor Augen hat, dann aber abhängig von der Situation seinen nächsten Spielzug plant und umsetzt.
Du bist nicht allein
Vor allem am Anfang der Unternehmensgründung hatte ich manchmal das Gefühl, allein zu sein und etwas hilflos dem großen System ausgeliefert zu sein. Schnell erkannte ich aber, dass man nicht alleine ist. Draußen gibt es viele Unternehmen, die täglich mit denselben Herausforderungen konfrontiert werden. Zudem gibt es immer jemanden, der einem bei der einen oder anderen Sache fachlich unter die Arme greifen kann.
Buchhaltung selbst machen: Nein Danke
Am Anfang meiner Selbstständigkeit glaubte ich noch, alles selbst machen zu können. Doch schnell erkannte ich, dass dies wohl nicht der klügste Weg ist. Das beste Beispiel ist die Buchhaltung. Anfangs frischte ich mein Buchhaltungswissen auf, kaufte mir ein paar Bücher und testete Software. Doch auch das beste Buch kann nicht jede Unklarheit und jeden Spezialfall abdecken. Es folgten stundenlange Recherchen auf Finanzseiten und in Foren, die am Ende nur dazu beitrugen, dass ich noch unsicherer wurde. Das Resultat war unnötiger Stress und schlaflose Nächte, bis ich die Entscheidung traf, einen Buchhalter zu engagieren. Dieser kostet zwar Geld, doch die Investition lohnt sich und nimmt einem die Last von den Schultern. Wichtig ist auch zu wissen, dass ein Buchhalter nicht die Welt kostet und auch für jemanden in der Anfangsphase leistbar ist.
Wer kein Geld hat ist schneller wieder weg
Bevor man ein eigenes Unternehmen startet, muss man genügend Geld angespart haben, um sich 2-3 Jahre finanzieren zu können, oder den Lebensunterhalt durch Unterstützung des Partners sichern. Wie viel Geld man benötigt, hängt stark vom Lebensstil ab. Je geringer man die eigenen Ansprüche setzt, desto einfacher. Fast alle Neugründer, die ich kennengelernt habe und die nur für 2-3 Monate Geld auf der Seite hatten, sind wieder von der Bildfläche verschwunden.
Kooperationen sind ein wichtiger Motor
Kooperationen mit anderen Unternehmern machen vieles leichter und können Neugeschäft, wichtige Kontakte und wertvolles Wissen vermitteln. Zudem ist es im Team leichter, auch größere unternehmerische Herausforderungen zu meistern. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass man durch Kooperationen sein Dienstleistungsangebot erweitert und damit noch wettbewerbsfähiger wird. Deshalb sollte man direkt von Anfang an nach guten und vertrauenswürdigen Partnern Ausschau halten. Wichtig ist, dass beide Seiten von der Kooperation profitieren.
Lernen, Lernen, Lernen
Als Unternehmer muss man die Bereitschaft haben, ständig sein Wissen herauszufordern und zu erweitern. Nur so bleibt man wettbewerbsfähig und bietet den Kunden den entscheidenden Vorteil.
Ohne Energie geht gar nichts
Zu Beginn der Selbstständigkeit muss einem klar sein, dass Gründung und Führung eines Unternehmens viel Energie und Zeit kostet. Plant man keine Ruhepausen ein und führt einen ungesunden Lebensstil, hat dies negative Auswirkungen auf Produktivität und Leistung. Wichtig ist auch, den eigenen Energiefluss zu kennen und den Tag nach diesem Rhythmus zu planen. Persönlich stellte ich fest, dass ich morgens in der Früh und am späten Nachmittag meine Energiehochs habe. Deshalb nutze ich genau diese Zeiten für produktive Arbeit. Alle anderen Zeiten nutze ich, um meine Energiereserven aufzubauen oder Routineaufgaben zu erledigen.
Auf das Wichtige fokussieren
Um als Unternehmer schnell voranzukommen, ist es wichtig, sich auf die wirklich wichtigen und zielführenden Maßnahmen zu konzentrieren. Am Anfang jeden Tages notiere ich mir deshalb die jeweils 3 wichtigsten Todos, welche die größte positive Auswirkung auf mein Unternehmen haben. Diese erledige ich als erstes.
Ablenkung abschalten
Eines der besten Dinge am Unternehmertum ist, dass man sich selbst mit der Zeit extrem gut kennenlernt und erfährt, was einem die Produktivität zunichte macht. Ein großer Zeitfresser waren anfangs die vielen Ablenkungen, die meinen Arbeitsrhythmus störten. Mir half es sehr, genau diese Zeitfresser zu identifizieren und abzuschalten. Erst dadurch sah ich, wie groß dieser Einfluss tatsächlich ist und wie viel wertvolle Zeit man hierdurch verliert, die man entweder für sich selbst oder das eigene Unternehmen nutzen könnte.
Unternehmer sein ist toll!
Ein eigenes Unternehmen zu gründen war ohne Zweifel eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Ich habe keinen einzigen Tag bereut, diesen Schritt gemacht zu haben, da das Unternehmersein mein Leben in vielen Facetten bereichert. Im ersten Jahr meiner Gründung habe ich viel gelernt, tolle Menschen kennengelernt, die Kreativität wiederbekommen und bin inspirierter und glücklicher als je zuvor. Das Unternehmersein gibt mir die Möglichkeit, ich selbst zu sein und meine eigenen Ideale und Ideen zu verfolgen.


