Die Ermächtigung der deutschen Bundesregierung zur Einleitung eines Strafverfahrens gegen Jan Böhmermann für sein Erdogan „Schmähgedicht“ hat für tiefe Empörung gesorgt. Egal, ob man den Satiriker als Straftäter, Dummkopf oder Held der Kunstfreiheit sieht, eines ist sicher: er wird in Erinnerung bleiben. Das könnte seinen Erfolg feuern, gar die Gesellschaft ändern – wie diese 5 Unternehmer vor ihm auch taten.

Kurze Zusammenfassung: Der Satiriker Böhmermann hatte in seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ am 31. März ein derbes Schmähgedicht über den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan vorgelesen. Das Gedicht – bewusst so inszeniert, um die Grenzen des Zulässigen bei Satire aufzuzeigen – enthielt u.a. Verunglimpfungen Erdogans und schrieb ihm diverse potenziell beleidigende Attribute zu.

The president is not amused

Das fand Erdogan allerdings nicht lustig. Die türkische Regierung stellte kurz darauf bei der deutschen Bundesregierung ein sogenanntes Strafverlangen – was am vergangenen Freitag genehmigt wurde. Der Vorwurf: Böhmermann hätte eine Majestätsbeleidigung im Sinne von §103 des deutschen Strafgesetzbuches begangen – ein Tatbestand, der ursprünglich aus dem Kaiserreich stammt.

Seitdem reden alle über diese nun zur Staatsaffäre eskalierte Causa. Alle außer Böhmermann selbst – er hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und steht nun unter Polizeischutz. Die Entscheidung für die Strafverfolgung spaltete nicht nur die deutsche Regierung, sondern auch das Volk: eine Umfrage am Wochenende fand heraus, dass zwei Drittel der Befragten die Zulassung der Strafverfolgung für falsch halten. Es heißt, Merkel würde vor Erdogan „einknicken“ und die deutsche Pressefreiheit über den Haufen werfen.

Entscheidung der Regierung in einem Rechtsstaat alternativlos

Sogar bei RiskPlayWin scheiden sich die Geister über die Vorgehensweise der deutschen Regierung in dieser empfindlichen Angelegenheit. Persönlich halte ich die Zulassung der Strafverfolgung nach § 103 StGB für absolut richtig. Die Bestimmung ist zwar überholt und reif für die Abschaffung – ist dennoch derzeit geltendes Recht. Und in einem Rechtsstaat darf die Regierung nicht entscheiden, welche Paragrafen der geltenden Rechtsordnung angewendet werden und welche nicht. Das ist die Aufgabe der unabhängigen Justiz – was hier geschieht.

Weiters ist der in diesen Tagen häufig zu lesende Vorwurf, Merkel hätte mit dieser Entscheidung die Meinungsfreiheit in Deutschland „aufgeopfert“, blanker Unsinn. Merkel hat in der Sache ja nicht entschieden! Wie oben gesagt, kann das in einem Rechtsstaat nur das Gericht. Dessen Entscheidung in diesem Fall wird die Reichweite der Meinungsfreiheit in Deutschland klarstellen, und ich warte darauf gespannt.

Schließlich ist die Entscheidung der Regierung ein kluger politischer und diplomatischer Schritt. Ich sag’s wie es ist: genauso wie im Business kann man in politischen Sachen seine Gegner nicht aussuchen. Vielmehr muss man lernen, mit vielen – auch schwierigen – Menschen umzugehen und mit ihnen gemeinsame Lösungen finden.

Natürlich will die Kanzlerin in diesen turbulenten Zeiten die diplomatischen Beziehungen mit der Türkei nicht unnötig schädigen. Deutschland muss weiter mit diesem Land arbeiten; vor allem in der Flüchtlingskrise, in der der Türkei eine wichtige Rolle zukommt. Indem sie die Sache von der Justiz entscheiden lässt, distanziert sie sich persönlich von Böhmermann (das darf sie!) und schont so ihre Beziehung zu Erdogan. Ein genialer Schachzug.

Alles ist irgendwann Vergangenheit

Doch egal wie laut und leidenschaftlich jetzt gestritten wird – irgendwann wird sich die Sache legen, Gras darüber wachsen. Was aus Böhmermann wird, weiß noch keiner. Muss er eine Geldstrafe zahlen, oder sogar ins Gefängnis? Wird er für dieses Gedicht mit der Karriere zahlen und von dem medialen Radar für immer verschwinden? Könnte ein Freispruch seinen Erfolg in die Höhe treiben und ihn zum Helden der Meinungsfreiheit in Europa machen?

Die Geschichte zeigt uns, dass Unternehmer, die wie Böhmermann polarisieren und ihren Finger in die gesellschaftliche Wunde legen sich öfters einer riesigen Popularität erfreuen – sogar Legendenstatus erreichen. Man kann sie lieben oder man kann sie hassen – aber sie haben unsere Welt geändert. Wir zelebrieren heute die Umstrittenen!

1. Mary Quant

Die britische Modedesignerin erlangte in den 1960-ern mit dem Minirock große Bekanntheit. Obwohl Quant wahrscheinlich nicht die Erfinderin des Minirocks war, wurden ihre Designs zum Symbol einer neuen Aufbruchstimmung unter den Jugendlichen in London in den „Swinging Sixties“. Sie brachen dramatisch mit den konservativen Werten ihrer Eltern und erfanden für sich die Welt neu.

Bisher war es üblich und erwünscht, dass junge Frauen sich wie ihre Mütter kleideten – keusch und diskret. Die 60-ern brachten für die Damen jedoch ungeahnte neue Freiheiten. Ganz besonders die Einführung der Anti-Baby-Pille befreite Frauen von der ständigen Sorge, schwanger zu werden und ließ sie ihre Sexualität zum ersten Mal richtig ausleben. Quants junger, frischer, frecher Minirock passte perfekt ins Bild des neuen Lebensstils.

Freilich stieß das nicht überall auf Akzeptanz. Die ältere Generation fürchtete den moralischen Untergang der Gesellschaft. In manchen Ländern wurde das Kleidungsstück sogar verboten! Immerhin bleibt der Minirock bis heute ein Symbol der Jugend und der weiblichen Freiheit – und Quant eine Legende der Mode.

2. Gordy Berry Jr.

1960 gründete Berry die Plattenfirma „Motown Record Corporation“ (ehemals Tamla Record Company) in Detroit, Michigan. Der Name ist eine Zusammensetzung von „Motor“ und „Town“ – eine Anspielung auf die Hauptindustrie in Detroit.

Zu den Motown Künstlern zählten Stars wie Diana Ross and the Supremes, Marvin Gaye, Erykah Badu und The Jackson Five. Der unverkennbare Klang und Stil der Motown Musik vereinte zum ersten Mal Soul und Pop, „schwarze“ und „weiße“ Musik – zu einer Zeit, wo die Gesellschaft noch von der Trennung zwischen Schwarzen und Weißen tief geprägt war.

Durch die Liebe zur Musik kamen alle zusammen und übersprangen dabei die Grenzen der Kultur, der Rasse und des Alters. Amerikas Gesellschaft wurde für immer geändert.

3. John Mackey

John Mackey gründete den Bio-Supermarkt Whole Foods Market in 1980. Er war 30 Jahre lang Vegetarier, bevor er sich zum Veganismus bekannte und ist noch immer eine der einflussreichsten Stimmen in der Bewegung für Bio-Lebensmittel und den humanen Umgang mit Nutztieren.

Mackey ist nie weit weg von einer Kontroverse und fällt mit seinen starken, manchmal unorthodoxen Meinungen regelmäßig auf. Unter anderen ließ er die Öffentlichkeit wissen, dass er kein Fan von Gewerkschaften ist und lehnt das Recht der Amerikaner auf Gesundheitsfürsorge ab. 2006 gab er bekannt, dass er nur mehr $1 pro Jahr für seine Arbeit bei Whole Foods verdienen würde. Diesen radikalen Schritt begründete er damit, dass er mehr als genug Geld hatte und nur mehr der Freude wegen arbeiten möchte.

4. Beate Uhse

Die in Ostpreußen geborene Uhse (née Köstlin) war von Anfang an eine außergewöhnliche Frau. Mit 18 Jahren bekam sie ihren Pilotenschein und wurde im zweiten Weltkrieg häufig für Überführungsflüge herangezogen.

Nachdem ihr die Arbeit als Pilotin nach Kriegsende von den Besatzungsmächten untersagt wurde, bestritt Uhse ihren Lebensunterhalt auf dem schwarzen Markt. So kam sie mit Frauen in Kontakt, die ein Bedürfnis nach Sexualität hatten – wegen Armut und Zukunftsängsten aber keine Kinder bekommen wollten. Zu diesem Zeitpunkt wurde kaum über die weibliche Sexualität in Deutschland gesprochen – es war ein Tabuthema.

Uhse, die bereits in jungen Jahren von ihren Eltern aufgeklärt wurde, brachte für solche Frauen Schriften mit Informationen über Verhütungsmethoden und Erotik heraus. Nach dem Betrieb eines kleinen Versandhauses für Erotikartikel folgte die Eröffnung des ersten Sexshops der Welt in Flensburg in 1962.  Heute ist Beate Uhse AG in 15 Ländern tätig; Uhse gilt als „Mutter Courage des Tabubruchs“ und als Wegbereiterin einer freieren Gesellschaft.

5. Beyoncé

Beyoncé Knowles-Carter ist ein Superstar der Superlative. Bekannt geworden in den 1990-ern mit dem Girlband „Destiny’s Child“, startete Beyoncé ihre Solo-Karriere 2003 und zählt inzwischen zu den einflussreichsten Künstlerinnen und Unternehmerinnen der Gegenwart.

Beyoncés Image als selbstbestimmte schwarze Frau und bekennende Feministin hat sie zum Vorbild einer ganzen Generation von jungen Frauen gemacht – und diese Macht nutzt sie bewusst, um heikle gesellschaftliche Fragen aufzugreifen.

Ihr Auftritt bei der Halbzeitshow des 2016 Superbowls mit dem Song „Formation“ schlug wie eine Bombe ein. Satt mit Symbolik von Start bis Ende, könnte niemand die Botschaften übersehen: Stoppt Polizeigewalt gegen Schwarze! Wehrt Euch! Wir fordern Gerechtigkeit!

Der Superbowl ist eines der größten Events im Kalender in den USA und lockt über 100 Mio Zuschauer an. Dass eine schwarze Frau aus dem Süden mitten drin stand und vor aller Welt ihr politisches Manifesto auf den Tisch stellte war für viele Amerikaner ein Affront.

Doch das hat Beyoncés Beliebtheit kein bisschen geschmälert – ganz im Gegenteil. Mehr denn je gilt sie als Ikone des Kampfes für Gleichheit und Gerechtigkeit in Amerika. Auch für Business ist die Publizität ein Bonus -Beyoncé bringt gerade ihre neue Sportkleidungslinie, „Ivy Park“ auf den Markt.

Foto: Erik Cleves Kristensen

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