Wer bei der Produktion Geld sparen will, blickt derzeit nach Osteuropa. Neben dem Offshoring, der Verlagerung von Geschäftsprozessen in asiatische Länder, hat sich das Nearshore-Outsourcing für vor allem für Europäische Unternehmen zu einer echten Alternative entwickelt.

Diverse Untersuchungen zeigen, dass sich europäische Arbeitgeber beim Nearshoring zunehmend für die Länder Osteuropas entscheiden. Dies ist jedoch nicht weiter verwunderlich, zumal viele gute Gründe für eine Auslagerung von Geschäftsaktivitäten in diese Länder sprechen.

Erhöhung der Produktionskosten hat einen enormen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit. Dadurch sind viele europäische Unternehmen gezwungen, die eigenen Herstellungstätigkeiten auszulagern. In diesem Zusammenhang stellt sich im nächsten Schritt die Frage nach dem geeigneten Land. Stark auf dem Vormarsch ist hierbei das Nearshoring nach Osteuropa, da diese Regionen im Vergleich zu Entwicklungsländern wie Indien und China zahlreiche Vorteile bieten.

Die Vorteile vom Oustourcing-Standort Osteuropa im Überblick

1. Niedrige Arbeitskosten

Zu den Hauptgründen, die europäische Unternehmen für eine Auslagerung in den Osten Europas veranlassen, gehören selbstverständlich die vergleichsweise niedrigen Arbeitskosten. Durch die Vergabe von Arbeiten in diese Nearshore-Regionen werden teilweise Kosteneinsparungen von 30 bis 50 Prozent in Aussicht gestellt. Die Ansicht mancher Personalleiter, dass es den Menschen in diesen Ländern an der notwendigen Ausbildung und den Skills fehle, wird zusehends widerlegt. Inzwischen konnten sich schon mehrere osteuropäische Länder als herausragende Produktionsstandorte etablieren.

2. Keine großen kulturellen Hürden

Seit der politischen Wende im Jahr 1989 haben sich Kulturen in Europa zusehends angenähert. Wert-Anschauungen, das Verhältnis zu Hierarchien, Verlässlichkeit und Umgangsformen unterscheiden sich heute nur sehr gering. Dies ist ein großer Vorteil gegenüber einer Produktion in Asien, wo die kulturellen Unterschiede zu Komplikationen und höheren Projektkosten führen können.

3. Gute sprachliche Kompetenzen

Sprachliche Schwierigkeiten können eine Geschäftsbeziehung belasten und mit teuren Missverständnissen sowie längeren Projektlaufzeiten einhergehen. Unter diesem Gesichtspunkt kann Osteuropa weitere Vorteile ausspielen, zumal nachweislich knapp 40 Prozent aller Schüler in den neuen EU-Mitgliedsstaaten die deutsche Sprache lernen. Mehr als 70 Prozent lernen ferner Englisch auf international wettbewerbsfähigem Niveau. Gerade die Sprache der Mitarbeiter ist eine wichtige Grundlage für eine effiziente Kommunikation.

4. Verfügbarkeit und Qualifikation von Personal

Jedes Jahr graduieren in Osteuropa eine große Anzahl an Studenten. Demzufolge ist das Angebot an qualifizierten Fachkräften sehr groß. Weil das Anforderungsprofil in Bezug auf die Qualität der Ausbildung merklich gestiegen ist, verfügen die Hochschulabsolventen und Berufseinsteiger über ein fundiertes Knowhow.

5. Reisen und Zeitzone

Ein positiver Aspekt des Nearshoring sind zudem die geringen bis leichten Visa- und Einreisebestimmungen für Bürger osteuropäischer Staaten. Hinzu kommt die leichtere Vermeidung von Risiken in Bezug auf die Datenschutzrichtlinien. Nicht zuletzt sind etwa Ingenieure aus Osteuropa besser mit EU-Gesetzen (z.B. hinsichtlich des geistigen Eigentums) vertraut, als eine Fachkraft aus Asien. Für Osteuropa sprechen aber auch der kurze Anfahrtsweg und die geringen bis nicht vorhandenen Zeitunterschiede. Zwischen Deutschland und China beträgt der Zeitunterschied hingegen je nach Sommer- oder Winterzeit 6 bis 7 Stunden. Geographische Nähe ist somit ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Viele Probleme lassen sich zudem nur von Angesicht zu Angesicht im persönlichen Kontakt lösen.

Fazit Standort Osteuropa

Berechnungen über den Anteil Osteuropas am weltweiten Outsourcing-Markt gehen von 43 Prozent aus, somit Rang zwei unmittelbar hinter Asien. Experten gehen davon aus, dass sich dieser Anteil angesichts oben genannter Argumentation in den kommenden Jahren vergrößern wird. Bereits die Kostenvorteile, die geographische Nähe, das steigende Bildungsniveau sowie die vergleichsweise geringen kulturellen Unterschiede, sprechen für ein zunehmendes Interesse europäischer Unternehmen an ein Offshoring zu Gunsten osteuropäischer Staaten.


Die Nachteile von industriellen Outsourcing nach China

Egal was für ein Unternehmen Sie haben, es ist immer ratsam, die Vor- und Nachteile zu analysieren. Hier sind einige der Probleme, die bei einem Outsourcing nach China auftreten können.

Qualität

Ein großes Problem für Unternehmen, die überlegen deren Produktion an China auszulagern, ist die Qualitätskontrolle. China kann sehr beeindruckend auf der Oberfläche erscheinen, viele Produkte können gut aussehen, aber die vielen Normen und Vorschriften unterscheiden sich von europäischen Verordnungen.

Minderwertiges Material

Um Produktionskosten zu sparen kann es sein, dass minderwertige Materialien zum Einsatz kommen. Das daraus entstehende Risiko für ihren Ruf als Unternehmen, sollte nicht unterschätzt werden.

Urheberrecht

Wenn Sie Ihre Produktionsbasis in China haben, müssen Sie sehr vorsichtig sein in Bezug auf Urheberrechte, Warenzeichen und Plagiat. IP-Recht unterscheidet sich gravierend in Asien, wogegen Sie sich als Unternehmen kaum schützen können.

Die Sprache

Die meisten Chinesen verstehen kein oder wenig Englisch. Dies kann dazu führen, dass Geschäftsabläufe nicht einwandfrei laufen und es zu ernsthaften Problemen in der Kommunikation und Abstimmung kommt. Die Zusammenarbeit mit einem Übersetzer ist daher in China in den meisten Fällen unabdingbar.

Personalfluktuation

Der Erfolg eines Unternehmens hängt maßgeblich davon ab, ob das Unternehmen in der Lage ist, die besten Mitarbeiter für sich zu gewinnen und – noch wichtiger – langfristig an sich zu binden. Diese Aufgabe ist oft bereits eine Herausforderung im Heimatland eines Unternehmens, wo das Unternehmen sich mit Kultur und wirtschaftlichen Gegebenheiten bestens auskennt. In Entwicklungsländern mit einer fremden Kultur und anderen, sich teils rasant ändernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stellt das Phänomen der hohen (freiwilligen) Fluktuation für viele europäische Unternehmen eine scheinbar unüberwindbare Hürde für den langfristigen Erfolg dar. Nirgendwo in der Welt wird der War for Talents so schonungslos ausgetragen wie in China. Deshalb ist die Problematik der hohen Fluktuation in China auch symptomatisch für die Probleme in anderen asiatischen Ländern.

Fazit Standort China

Herstellung in China ist herausfordernd! Wenn Sie in China langfristig investieren wollen, muss Ihre Geschäftsstrategie sich an die speziellen Rahmenbedingungen dieses herausfordernden Marktes anpassen – Das heißt vor allem sich nicht nur auf die günstigen Produktionskosten zu konzentrieren.

Fotocredits: Nikolaj Potanin & Nicola

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