Holger von Krosigk war in den 90ern einer der bekanntesten deutschen Profi-Skater. Heute leitet er zusammen mit Stefan Dongus das Verlagshaus Monday Publishing und publiziert die beiden erfolgreichen Printmagazine Sneakers Magazine & Eyewear Magazine. Im Mittelpunkt der Magazine steht die hochwertige Inszenierung der jeweiligen Produkte mit Fotostrecken, Designer-Interviews und mehr.

Wie ist kommt man auf die Idee, sich als Publisher selbstständig zu machen?

Ich denke, dass die Selbständigkeit generell irgendwie im Blut liegt. Natürlich gibt es auch Leute, die sich spät dazu entscheiden, aber es ist eine Einstellungsfrage. Bei uns war es insofern naheliegend, weil wir als Team schon vor mehr als zehn Jahren an Magazinprojekten zusammengearbeitet haben. Wenn man also erfolgreich für andere arbeiten kann, überlegt man sich einfach, ob man nicht auch noch einen Schritt weiter gehen kann. Für mich ist es die beste Form, zu arbeiten, weil man selbst in der Verantwortung ist, schnell entscheiden kann und niemand anders als sich selbst für den eigenen Erfolg oder Misserfolg verantwortlich machen kann.

Mit welchen Herausforderungen habt ihr als Publisher zu kämpfen und wie geht ihr damit um?

Die Herausforderung liegt bei uns zum einen darin, dass wir ein sehr kleines Team haben und durch die quartalsweise Erscheinungsweise der Magazine sehr viel mit Freelancern arbeiten. Das bedeutet, dass man gut darin sein muss, ein Netzwerk aufzubauen, mit vielen unterschiedlichen Leuten zu arbeiten und dennoch sichere Qualität liefern muss. Das erfordert mehr Flexibilität, als ein festes großes Team um sich zu scharen. Die andere Challenge ist der Übergang der User zum digitalen Konsum von Medien. Da unsere Herkunft und auch eine unserer Stärken Print ist, liegen die Herausforderungen auf der Hand.

Wo siehst du die großen Chancen für die Zukunft?

Für uns ist die Spezialisierung wichtig, was zugleich auch ein Alleinstellungsmerkmal ist. Wir denken, dass sich Qualität immer durchsetzt und glauben, dass wir einen ziemlich hohen Anspruch an uns selbst und unsere Produkte haben.

snekaers-magazine-print
Sneakers Print-Magazin

Welche Veränderungen am Markt stimmen dich nachdenklich?

Wenn mich etwas nachdenklich macht, ist es vielleicht die Oberflächlichkeit der digitalen Medien in der heutigen Zeit und der teilweise stumpfe Schrei des Marketing nach reiner Reichweite, ohne die Qualität der Botschaft zu hinterfragen.

Was war dein bzw. euer größter Erfolg für euer Unternehmen?

Ich glaube, es ist ein Erfolg, in der heutigen Zeit, Print Magazine zu machen, die Wertschätzung auf Seiten der Leser, aber auch der Industrie erfahren. Im insgesamt rückläufigen Markt erfahren wir positives Feedback und einige Anzeigenkunden verstärken sogar den Fokus auf uns, weil sie die Qualität schätzen. Das ist schön.

Wenn man was nicht konnte, hat man sich das selbst beigebracht – ob es Fotografie, Videos schneiden oder auch Magazine machen war.

In den 90ern warst du einer der populärsten Skater in Deutschland. Inwieweit hat dich diese Zeit später als Unternehmer geprägt?

Die Analogie zwischen Skateboardfahren und dem Berufsleben wird häufig herangeführt – hinfallen und wieder aufstehen. So zitierte das neulich sogar noch mal Jerry Seinfeld in Comedians in Cars getting Coffee. Klar, da mag was dran sein, aber vielleicht ist es mehr die Erfahrung dass man als Skater zumindest zu meiner Zeit aus geringen Möglichkeiten das Beste machte. Wenn man was nicht konnte, hat man sich das selbst beigebracht – ob es Fotografie, Videos schneiden oder auch Magazine machen war. Dieser Do-It-Yourself Spirit ist bei uns auf jeden Fall gegeben und zieht sich durch alle Bereiche durch. Es ist ein tolles Gefühl, einen Artikel bis hin zum letzten Detail mit gestaltet zu haben, weil man vom Fotoshooting bis hin zum Interview involviert war. Das heißt natürlich nicht, dass man ohne ein tolles Team von Mitarbeitern auskommt. Aber der Ansatz lautet eben – Ärmel hochkrempeln und machen, statt zu resignieren.

Wie sieht ein typischer Tag für dich als Unternehmer aus?

Es gibt keinen typischen Tagesablauf, das ist das einzige Typische. Jeder Tag ist anders, je nach Aufgabe, die es zu bewältigen gibt.

Webseite vom Sneakers Magazine
sneakers-magazine.com

Wenn du nochmal ganz am Start wärst, was würdest du anders machen?

Natürlich kann man sagen, dass man bestimmte Fehler nicht noch mal machen würde. Aber dann hätte ich daraus auch nicht gelernt. Nur wer die Erfahrung macht, kann lernen und sich weiterentwickeln. Das kann ich auch nur an alle weitergeben: Nicht von negativen Erfahrungen abschrecken lassen, sondern daraus lernen.

Welche 3 Ratschläge würdest du Jungunternehmern geben, die sich als Publisher selbstständig machen wollen?

  1. Sei flexibel, weil die Welt, in der du etwas gelernt hast, vielleicht nicht mehr existiert, wenn du es anwenden willst. Hinterfrage permanent deine alten Annahmen.
  2. Es geht nicht darum, möglichst viel Geld zu verdienen, sondern darum, dem Leser oder Anzeigenkunden etwas zu geben, das wertvoll und nützlich ist. Erst geben, dann nehmen.
  3. Durchhaltevermögen ist die wichtigste Qualität, die man mitbringen kann.

Sei flexibel, weil die Welt, in der du etwas gelernt hast, vielleicht nicht mehr existiert, wenn du es anwenden willst. Hinterfrage permanent deine alten Annahmen.

Welche 3 Kriterien zeichnen deiner Meinung nach einen guten Unternehmer aus?

Durchhaltevermögen (siehe oben), soziale Kompetenz und Weitsicht. Jeder Unternehmer definiert seine Rolle natürlich anders, aber so sehe ich das.

Wie schaffst du den Ausgleich zwischen deinem beruflichen und privaten Leben?

Ich versuche auch mal vollständig abzuschalten und Dinge zu machen, die weit weg von meinem beruflichen Leben sind. Andere Leute tauchen zu 100% ein, ich versuche auch mal das Gegenteil von dem zu machen, was mich sonst umgibt. Also gerne Outdoor Erlebnisse, Sport oder  Freunde sehen. Ich achte darauf, dass das alles nicht zu kurz kommt.

Welche Medien nutzt du, um auf dem Laufenden zu bleiben oder neue Ideen zu bekommen?

Wenn ich faul bin, lasse ich meinen Facebook Feed mit den nützlichen Zuckerberg Algorithmen auf mich einprassen. Wenn ich mehr Zeit habe, scanne ich einzelne News Seiten oder Blogs gezielt. Ruft das Wochenende, kann es bei mir sehr gerne auch mal eine Zeitung sein. Auf jeder Reise ist der Gang zum Kiosk für mich Pflicht und ich kaufe mir dann einen Stapel Magazine aus allen Bereichen.

Gibt es eine Unternehmerpersönlichkeit, die dich besonders inspiriert hat in deinem Leben?

Da unser Unternehmen so klein ist, kann ich kaum hilfreiche Vergleiche ziehen. Inspirationen gibt es natürlich immer, aber hier kann ich nur Klischees wie Steve Jobs oder Elon Musk heranziehen. Da ich in meinem Berufsleben aber weder lebensverändernde Geräte erfinde noch zum Mars fliege, bleibt nur die allgemeine Bewunderung.

Was willst du als Unternehmer noch erreichen?

Sich stetig weiterzuentwickeln, das ist das Ziel. Ich glaube, die Gefahr eines festen Ziels besteht darin, dass man es erreicht. Und dann?

Weiterführende Links:

http://sneakers-magazine.com/

http://eyewear-magazine.com/

Fotos: Sneakers Magazine

 

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